Biosphärenreservat Bliesgau auf dem Weg zur „Null-Emissions-Region“

Die Ziellatte hängt hoch beim "Masterplan 100% Klimaschutz" im Biosphärenreservat Bliesgau. Bis 2050 soll der Energieverbrauch der Region halbiert und zugleich die Emissionen im Vergleich zu 1990 um bis zu 95 Prozent reduziert werden. Dazu haben sich der Biosphärenzweckverband Bliesgau und die beteiligten Kommunen verpflichtet.

Aktuell werden etwa 500 Millionen Kilowattstunden (= 500 Gigawattstunden) Strom und etwa 2.300 Gigawattstunden (GWh) Wärme benötigt. Hinzu kommen 600 GWh für Mobilität, also der Verbrauch für PKW, Bahn, Bus und den LKW-Verkehr innerhalb der Region.
Im Strombereich entfällt der Großteil des Verbrauchs auf Industrie und Gewerbe mit etwa 290 GWh (entspricht zwei Drittel), etwa 190 GWh auf die privaten Haushalte und knapp 15 GWh auf die öffentliche Hand für den Bedarf in Schulen, Hallen, Rathäusern und zur Straßenbeleuchtung. Etwas anders sieht das Verhältnis im Wärmebereich aus: Hier dominieren die privaten Haushalte mit 56 Prozent (= knapp 1.300 GWh) vor Industrie und Gewerbe mit 41 Prozent. Kaum ins Gewicht fällt der Bedarf der Kommunen mit etwa 70 Gigawattstunden (3 Prozent).
Bislang werden knapp zehn Prozent des Strombedarfs durch erneuerbare Energien (EE) bereitgestellt, im Wärmesektor sind es drei Prozent. Dabei stellt die Photovoltaik das größte Kontingent: Ende 2013 waren nach Angaben der Bundesnetzagentur in der Biosphäre Bliesgau knapp 45 Megawatt Photovoltaik installiert. Die damit erzeugten 42 GWh Solarstrom stellen alleine 8,5 Prozent des Strombedarfs. Damit liegt die Biosphäre Bliesgau deutlich über dem Bundesdurchschnitt von fünf Prozent Solarstrom. Kleinere Beiträge erbringen auch die Wasserkraft mit 5 GWh, Biomasse mit 1,5 GWh und Wind mit 0,5 GWh.
Auch im Hinblick auf die einzelnen Kommunen sind beträchtliche Unterschiede im Ausbau der Erneuerbaren Energien festzustellen: Während St. Ingbert aufgrund seines hohen Bedarfs für Industrie und Gewerbe bislang etwa fünf Prozent regenerativ darstellen kann, erreicht Gersheim mit Hilfe von zwei Wasserkraftwerken und fünf Megawatt Photovoltaik bereits einen Anteil beim Strom von 30 Prozent.
Diese Erfolge können jedoch lediglich ein Zwischenschritt auf dem Weg zu einer weitgehend regenerativ aufgebauten Energieversorgung sein: Bis 2020 sollen deutschlandweit 35 Prozent des Stroms und 14 Prozent der Wärme mit EE bedient werden. Die Zwischenergebnisse des Masterplans zeigen: Es bedarf eines stringenten Ausbaus der Erneuerbaren Energien und einer konsequente Förderung von Sanierungsmaßnahmen und (Energie-)Einsparungen insbesondere im Gebäudebereich. Die Potenziale sind im Einzelnen:
Einsparung: Von den etwa 35.000 Gebäuden in der Biosphäre Bliesgau stammt etwa die Hälfte aus den Jahren zwischen 1949 und 1978, also aus einem Zeitraum, in dem es noch keine Wärmeschutz- bzw. Energieeinsparverordnung gab. Ein Großteil dieses Gebäudebestands ist sanierungsbedürftig: die spezifischen Energieverbräuche müssen halbiert werden.
Solar: Die Dächer von Privathäusern sowie von Gewerbe- und Industriegebäuden in der Region bieten sehr viel Raum zur Produktion von 300 GWh Strom sowie in etwa 100 GWh Wärme. Zusätzlich können Altstandorte mit Deponien, Konversionsflächen oder - wie in Gersheim - Steinbrüche  für PV-Freiflächenanlagen genutzt werden.
Wind: Sollte sich die Region für eine Windkraftnutzung entscheiden, könnten ca. 100 GWh Strom produziert werden.
Wasserkraft: Es werden derzeit 5.000 MWh Wasser-Strom produziert. Damit können 1.200 Haushalte (à 4-Personen; Strombedarf 4.150 kWh/a) versorgt werden.
Biomasse: Das Potenzial der Land- und Forstwirtschaft sowie der Landschaftspflege liegt bei ca. 35 GWh Strom und 85 GWh Wärme. Insbesondere die Nutzung in Biomasseheizanlagen kann regional einen bedeutenden Beitrag leisten.
Die Zahlen zeigen: eine autarke Stromversorgung ist realisierbar – für die autarke Wärmeversorgung hingegen stehen noch Fragezeichen. Daher muss insbesondere an Einsparungen im Gebäude- und Industriebereich gearbeitet werden und effiziente (Technik-)Anwendungen gefördert werden. Der Saarpfalz-Kreis geht dabei mit gutem Beispiel voran: Sein Ziel ist der Ausbau der Photovoltaik (Anlage Kalksteinbruch) sowie fortlaufende Sanierung von Schulen und öffentlichen Gebäude bis auf Passivhausstandard voranzutreiben.
Eine Null-Emissions-Region ohne Energieimporte und damit die weitgehende Unabhängigkeit gegenüber politisch brisanten Staaten kann durch und mit Unterstützung vieler Akteure Wirklichkeit werden!
Bei Fragen: stehen Ihnen der Klimaschutzmanager Hans-Henning Krämer (Tel: 0 68 94/13-738, Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!) gerne zur Verfügung.

Ergänzende Informationen zur Pressemeldung:

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Photovoltaik-Anlage Gersheim: Auf dem Gelände des ehemaligen Kalksteinbruchs in Gersheim steht seit 2011 ein „Sonnenkraftwerk“ mit einer Leistung von 1,85 MW. Die Fläche steht im Eigentum des Zweckverbandes "Saar-Blies-Gau/Auf der Lohe", bestehend aus Kreis, den Gemeinden Gersheim und Mandelbachtal sowie der Naturlandstiftung Saar. Der Zweckverband verpachtet die Fläche an die Standortentwicklungsgesellschaft Saarpfalz, kurz SEG. Diese erzeugt auf 2,5 ha Kollektorfläche den Strom für etwa 450 Haushalte und spart damit über 1000 t Kohlendioxid. Mit dem erwirtschafteten Pachtzins werden zudem durch den Zweckverband Naturschutzmaßnahmen finanziert.
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Pressemeldung vom 30.April 2014