Am Anfang war … der Planet Erde – Raum mit Leben  – Die Biosphäre

Autobahnschild

„… Mitentscheidend für den Erfolg eines Biosphärenreservates ist seine Akzeptanz bei der ortsansässigen Bevölkerung… Es bedarf sorgfältiger Beratung und Planung sowie eines kontinuierlichen Dialoges, der mit viel Feingefühl, Verständnis und Fantasie geführt werden muss…“

[Auszug aus den Kriterien für die Anerkennung und Überprüfung von Biosphärenreservaten der UNESCO in Deutschland, 2007]


Von der Gunst des Augenblicks

und feinfühligen Dialogen mit Fantasie

Zu den räumlichen Erkennungsmerkmalen der deutschen Biosphärenreservate gehören auch die Portalschilder an den Autobahnen, die Menschen beim Vorbeifahren einen Hinweis – idealer Weise auch einen Impuls – zum Anliegen des jeweiligen Biosphärenreservates und seinen regionalen Schwerpunktthemen geben können.

Mitwisser und Mitgestalter werden

Wir haben zu den elementaren Grundgedanken und dem daraus resultierenden Auftrag des Biosphärenreservates Bliesgau eine Bilderzählung für den „Augenblick“ entworfen, die auf die Schöpfungskraft der Natur anspielt. Seit seinem Ursprung nutzt der Mensch die Sprache der Zeichen und Symbole zur Kommunikation, um dem Ausdruck zu verleihen, was die Sprache oft nicht zu leisten vermag.

Sind Sie neugierig geworden und bereit zum Mitwisser und Mitgestalter unseres Lebensraumes zu werden?

Sie sind eingeladen, die Botschaft der Zeichen und Symbole unserer Bilderzählung mit Ihren Augen zu lesen, um sie mit Ihrer persönlichen Kreativität und Fantasie fortzuschreiben und vor allem sollten Sie sie weiter verbreiten.

Nutzen Sie den Augenblick!

Bildsprache der Portalschilder an den Autobahnen im Biosphärenreservat Bliesgau

SYMBOL 1 | Der Planet Erde – Die Biosphäre

erde earth

Am oberen Bildrand ist die Weltkugel mit dem Ausschnitt Afrika-Eurasien zu sehen. Der Begriff Biosphäre (griechisch, βίος bíos ‚Leben‘ und σφαίρα sphaira ‚Kugel‘) bezeichnet den Raum mit Leben eines Himmelskörpers (Quelle: wikipedia.org). Diese „Lebenskugel“ Erde ist von der Bedeutung der Ursprung der Idee, diesen globalen „Raum mit Leben“, der in seinem Gefüge die unterschiedlichsten Lebensräume beherbergt, nachhaltig zu schützen und zu bewahren: BIOSPHÄREN (Lebensräume) RESERVATE (bewahren).
Die Erde ist in der Gegenwart durch Raubbau der Menschheit in seiner Überlebenskraft akut gefährdet. Weltweit haben sich 651 Biosphärenreservate (Stand: Juni 2015) mit ihren Potentialen auf den Weg gemacht, dagegenzusteuern und ein verträgliches und dauerhaftes Miteinander von Mensch und Natur zu entwickeln und zu erproben. Das Biosphärenreservat Bliesgau zählt europaweit zu den artenreichsten Lebensräumen und forscht und experimentiert mit seinen Möglichkeiten nach Lösungen, wie sich der Schutz der biologischen Vielfalt, das Streben nach wirtschaftlicher und sozialer Entwicklung und die Erhaltung kultureller Werte miteinander versöhnen lassen.

SYMBOL 2 | Die Spirale – Der goldene Schnitt

spirale ammonit


Aus der „Lebenskugel“ Erde, der Biosphäre, entspringt am geografischen Ort des Saarlandes mit seinem Biosphärenreservat Bliesgau eine Spirale. Es handelt sich in unserem Bild um die Darstellung der sogenannten „Goldenen Spirale“, die dem Phänomen des „Goldenen Schnitts“ zugeordnet ist und in der abendländischen Kultur eine lange Tradition hat.
Beim Anblick eines versteinerten Ammoniten, so wie man sie bis heute auf den Muschelkalkflächen des Bliesgaus finden kann, wird bei näherem Hinsehen eine „Goldene Spirale“ erkennbar. In der Besonderheit dieses in unserem Bliesgau-Ammoniten eingewobenen Symbols eröffnet sich eine Botschaft zur Überlebenskunst unserer Biosphäre, die von der Natur hervorgebracht wurde und an uns weitervermittelt wird:
Unsere „Goldene Spirale des Biosphärenreservates Bliesgau“ ist ein Abbild des Lebens auf dieser Erde [Raum mit Leben – Biosphäre], das sich nur in einer ausgeglichenen Wechselwirkung zwischen Mensch und Natur entwickeln kann. Alle Kräfte, die Wachstum entfalten und die Balance halten, also ausgeglichen und symmetrisch sind, wirken in der Spirale. Gleichfalls verkörpert die Spirale auch die dynamischen Prinzipien von Wiedergeburt.
Die „Goldene Spirale“ unseres Bliesgau-Ammoniten lässt sich durch geometrische, ineinander verschachtelte Rechtecke konstruieren und ist mathematisch gesehen ein Sonderfall der logarithmischen Spirale. Diese lässt sich mittels rekursiver Teilung eines Rechtecks in je ein Quadrat und ein weiteres kleineres Rechteck konstruieren.

SYMBOL 3 | „Adebar“ der fliegende Botschafter

symbol3
Der Überbringer unserer Biosphärenbotschaft aus dem Bliesgau ist „Adebar“, ein fliegender Weißstorch, der seit jeher ein Zeichen für den Ursprung neuen Lebens setzt. Er gilt als Glücksbringer und Orientierungskünstler zugleich und gewinnt in Spiralen an Höhe und damit an Überblick. In den Bliesgau sind die Weißstörche nach jahrzehntelanger Abwesenheit wieder zurückgekehrt. Adebar, der seine Artgenossen die „Bliestal-Störche“ vertritt, führt auf seiner Flugroute auf der „Goldenen Spirale“ durch die Szenen unserer Bilderzählung. Er steht symbolisch für das Verhältnis von Mensch und Natur und macht darauf aufmerksam, dass die Erhaltung der Artenvielfalt und Naturschutz durch den Menschen positiv beeinflussbar sind.

SYMBOL 4 | Der Apfelbaum – Symbol des Lebens
Baum

Der Apfelbaum mit der angestellten Leiter steht als Vertreter für die typischen Streuobstwiesen im Bliesgau und liefert uns in unserer Bilderzählung symbolisch einen Impuls aus dem verlassenen Paradies: einen Bezug zum biblischen „Baum der Erkenntnis“ oder „Lebensbaum“ und zur „Himmelsleiter“. Diese alten Symbole stehen mitunter für die Gestaltkraft des Menschen, der erkennen, erlernen und gestalten kann, was gut oder schlecht für das nachhaltige Miteinander von Mensch und Natur ist. Letztlich geht es um lebendige Beziehungen und Verantwortung für die Schöpfung - die Fülle des Lebens - die auch folgende Generationen genießen möchten.
Die Streuobstwiesen gelten mit ihren unterschiedlichen heimischen, vielfach über 100 Jahre alten, robusten und klimafesten Obstarten und -sorten zu den artenreichsten Biotopen im Biosphärenreservat Bliesgau. Sie gehören zum unverwechselbaren Landschaftsbild des Bliesgaus. Neben den beliebten Apfelbäumen, werden auf geeigneten Wiesen die verschiedensten Obstarten bzw. Sorten (Birne, Walnuss, Kirsche, Pflaume) kombiniert – wie gestreut – gepflanzt.

SYMBOL 5 | Der Mensch – Symbol des Bewahrers und Gestalters
Mensch

Auf dem Weg der „Goldenen Spirale“ steigt der Mensch auf seinem Weg der Erkenntnis Stufe für Stufe empor. Ihm wird zunehmend bewusst, dass er unter den Lebewesen auf dieser Erde, dank seiner Intelligenz und seiner Möglichkeit zum bewussten Sein, die Hauptverantwortung für diesen Lebensraum und die Schöpfung trägt. Dass er sprichwörtlich „Berge“ versetzten kann, wenn er erkennt, was Wesentlich ist an einem Leben in einem ausbalancierten Verhältnis zwischen den menschlichen Kulturen untereinander und mit der Natur. Durch Forschergeist und Experimentierfreude kann es ihm gelingen, alltagstaugliche und sinnstiftende Lebensformen zu „erfinden“ und weiterzuentwickeln. Die uns nicht zu Plünderern, sondern zu Bewahrern, Gestaltern unseres Lebensraumes und Friedensstiftern machen – auch für künftige Generationen.

SYMBOL 7 | Der Schmetterling – Symbol der Transformation

SchmetterlingAm Scheitelpunkt unserer „Goldenen Spirale“ übernimmt ein Schmetterling die Kernbotschaft unseres Bildes! Er repräsentiert nicht nur die außergewöhnliche Artenvielfalt im Biosphärenreservat Bliesgau, sondern gleichfalls auch das Potential des kreativen Wandels in der Natur – als Lernmodell für die Menschheit. Die Natur bietet uns am Beispiel der Entwicklung einer Raupe zum Schmetterling einen stillen, aber fantastischen Lehrmeister für den kreativen Wandel in eine höhere und qualitätsvolle Daseinsform, in der Toleranz, Respekt und Wertschätzung als Werkzeuge für kulturelle Nachhaltigkeit im Weltenkreis, der „Seele der Menschheit“ Flügel verleihen. Zeigt uns diese Metamorphose doch, was wir bei uns selbst möglicherweise ausgeblendet haben: in den Zellen einer Raupe ist bereits der Code dafür angelegt, wie sich die Art und Weise zu leben in der Zukunft verändern, sprichwörtlich entfalten soll, um in die nächste Sphäre zu gelangen. Beim Menschen gibt es hierzu Parallelen, vielleicht haben wir das vergessen und wir brauchen neue Impulse. Mit etwas Fantasie könnte man meinen, die Natur hätte uns die Schmetterlinge geschickt, damit wir unsere eigene Vision der Biosphärenreservate in der wundersamen Metamorphose der Raupen zu Schmetterlingen verstehen und verwirklichen können.

Peter Michael Lupp, Kulturreferent Regionalverband Saarbrücken, 2016
[Portalschilder an der Autobahn im Biosphärenreservat Bliesgau, Gestaltung: Elke Birkelbach, Peter Michael Lupp]